Rat an Autoren, denen ich eine Erfahrung ersparen will – von einer gelinkten Poetin

Wenn das mal nicht runter geht wie Öl: Der 17. Gedichtwettbewerb der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte geht zu Ende und auch ich soll im Sammelwerk „Ausgewählte Werke XVII“ vertreten sein. Mit meinem lyrischen Erguss „Über Grönland“ habe ich es tatsächlich geschafft, neben den Preisträgerinnen und Preisträgern, ebenfalls als „anerkennenswerte Autorin …“ „…aus mehreren tausend eingereichten Beiträgen“ mein Werk im Lyrikband zu veröffentlichen.

Wahnsinns Erfahrung!

Wenn das mal nicht ein Glückstreffer ist und mein absoluter Durchbruch wird! Endlich werde ich als Autorin, ja sogar Poetin, ernst genommen. Die Aufnahme in eine solche Anthologie ist meine Visitenkarte. Endlich zahlen sich Mühe und Lohn aus. Endlich hat jemand mein Talent, meine Leidenschaft entdeckt und offensichtlich musste ich nicht viel tun, außer der Einsendung eines Gedichtes über die bereitgestellte Maske auf der Internetseite des Gräfelfinger Vereins.

Schließlich hat man es sich beim Realis Verlag zum Ziel gesetzt, mit der „aufwendig konzipierten Publikation die deutschsprachige Lyrik unserer Zeit zu dokumentieren und diesen Sprachschatz für künftige Generationen zu erhalten“.

Nun mal ganz langsam. . .

denn auch im besten Wahn –

macht bekanntlich nicht

jeder Wahn Sinn!

Schaut man einmal hinter die Kulissen der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte, so bleibt nicht viel übrig außer der waghalsigen Mutmaßung, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.

 

Warum?

 

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Sieht professionell und individuell aus – ist es aber nicht

1.) Wer mitmacht, erhält ein automatisch verfasstes Schreiben retour, welches mit einer nachempfundenen Originalunterschrift versehen ist. Wie sollte sie auch echt sein? Bei mehreren tausenden von Rückschreiben an die Autoren.

2.) Man legt dem, aus dem Häuschen seienden, Dichterherz, dass “ bis zu drei Exemplaren des Gedichtbandes vergünstigt zu beziehen“.P1020320 seien. Natürlich! Eines kostest lediglich 66,- €. Die Vergünstigung beläuft sich auf  45,50 €, und weil Oma ja so stolz ist und Mama auch eines will, neben dem Exemplar, das man für sich selbst beansprucht, landet man schnell mal bei 136,50 € für drei Ausgaben „Sammelband“, in denen ein Gedicht vertreten ist.

Das macht bei tausend potentiellen Käufern, die der „Bibliothek deutschsprachigen Geneppes“ nur ein Exemplar abnehmen eben mal 45 500 €, bei drei Exemplaren für Omma und Co. 136 500 €. Aber sicher. So ein Bruchdruck verschluckt einiges, nicht zu vergessen die Post, die an jeden Autor rausgeht oder die Personalkosten, die für die Mitarbeiter, beispielsweise den Herr Belzner, draufgehen.

P10203213.) So schade es auch ist: Ich kann mir auf die Aufnahme in diesen Sammelband leider nichts einbilden. Es ist keine Hommage an mich oder mein Können, kein Lob an mein Talent und auch keine Genugtuung für mein Wirken. Bei der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte handelt es sich um einen Verein, der Autoren verspricht, sie hätten einen enormen Fuß ins Business gesetzt.

Vielleicht schreibt da ja auch nur der Neid in mir. Schließlich zähle ich nicht zu den Gewinnern, die etwas von den Preisgeldern im Wert von 8000 € haben, was den Budgetbeutel der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte offenbar nicht schmälert.

„Ich bin mir mehr wert, als das! 

Und das solltest du dir auch sein!“

Es ist nicht grundsätzlich unseriös, und trotzdem bleibt die Vorsicht vor solchen Verlagen! Ich habe im Jahr 2012 zum ersten Mal bei dieser Ausschreibung mitgemacht. Damals stand ich ganz am Anfang meines Mutes:  »Was? Ich soll meine Texte nicht nur schreiben, sondern auch noch irgendwo einreichen? Damit sie Irgendwo veröffentlicht werden?«

Ohne Erfahrungen, mit wenig Gefühl für die Verlagsszene und nur mit sporadischer Vernetzung mit anderen Autoren und Dichtern, googelte ich nach einer Möglichkeit bei einem Gedichtwettbewerb mit zu machen. Schnell wurden mir die Ergebnisse angezeigt und ebenso fix klickte ich auf den ersten Hit: Gedichtewettbewerb, Bibliothek deutschsprachiger Gedichte.

Die Rückmeldung kam prompt. Im September desselben Jahres.
Zu den Ausgewählten zu gehören, erfüllte mich mit Freude. Ich feierte mein Erfolgserlebnis, indem ich tatsächlich drei Bände bestellte. Heute, würde ich das nicht mehr tun, geschweigedenn, bei diesem Wettbewerb teilnehmen. Und warum? Weil ich nun schlauer geworden bin und mich intensiver informiere und von anderen informiert werde. 

Vergiss nicht, dass du als Autor NIE etwas bezahlen musst, wenn du bei einem Verlag veröffentlichst. Auch nicht für den Platz in einer Anthologie.

Wenn ein Verlag deine Texte möchte, dann wertschätzt er dich für dein Schreiben, indem er dich bezahlt und nicht, indem er dir das Geld aus der Tasche zieht.

DKZV = Du kannst zahlen – Vorkasse.

Habt ihr auch Erfahrungen mit DKZV gemacht?


Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!


 

Eure

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11 Comments on "Rat an Autoren, denen ich eine Erfahrung ersparen will – von einer gelinkten Poetin"

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CD Sanders (@CDSanders1971)
Gast
19 days 23 hours ago
Jetzt habe ich erst die anderen Kommentare lesen können. Hier mal eine Frage: Wurde irgendjemand gezwungen, die Exemplare zu kaufen, außer durch sein eigenes Ego? Wie viel wäre es euch Wert, ein persönlicheres Geschenk als ein Gedicht mit einer Widmung für einen geliebten Menschen zu machen, als es hier möglich ist? Mein einziger negativer Gedanke zu diesem Wettbewerb ist: Wird dort alles veröffentlicht, was da eingereicht wird, nur um den Autoren ihr Werk verkaufen zu können? Da kann ich nur sagen, dem ist nicht so, denn meine Gedichte wurden einige Male abgelehnt. Warum nur, wenn sie mich doch nur zur… Read more »
CD Sanders (@CDSanders1971)
Gast
19 days 23 hours ago

Man muss aber die drei Exemplare nicht nehmen. Dein Bericht sagt aber aus, dass die Nationalbibliothek es voraussetzt, sozusagen als Bezahlung. Ich mache jetzt schon seit Beginn des Wettbewerbes mit, und meine Gedichte wurden 11 oder 12 mal veröffentlicht, aber ich habe die Bände nur drei mal gekauft. Bei den anderen Gedichten reicht es mir zu wissen, dass sie veröffentlicht sind. Für die reine Veröffentlichung braucht der Autor nichts zu bezahlen, selbst das Gutachten kann der Autor wählen und wird nicht dazu verpflichtet. Ich finde es immer noch eine feine Sache, bei der ich jährlich mitmache.

Anonym
Gast
Anonym
1 month 15 days ago

Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes .Guter WITZ! Das ist doch wirklich eine einzige Abzockerei! Die Kassieren tatsächlich – schon seit JAHREN – immer wieder 100 Tausende mit ihren Antologien, aber nur, weil Sie sie an die Möchte Gern Autoren verkaufen, deren Ego nicht selten so aufgeblasen ist, das sie wohl noch mehr als 3 Exemplare bestellen. Wer da mitmacht, hat selbst SCHULD!!!

Reiszwecke
Gast
Reiszwecke
1 month 16 days ago

Danke. Ich hätte fast dort mitgemacht. Mit haben aber diese werbungsähnlichen Sprüche irritiert, wie „Jetzt mitmachen und gewinnen“, darum habe ich erstmal gegoogelt – und bin hierauf gestoßen. Ich bin wirklich dankbar, dass diese Erfahrung mit mir geteilt wurde und ich somit vor diesem Überl bewahrt wurde!!

Alex
Gast
Alex
1 month 16 days ago

Danke – dieser Beitrag hat mir gerade etwas ziemlich Wertvolles gespart: Zeit. Wäre mir 5 EUR wert. Wohin soll ich überweisen? Alex

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