Ich vermute, ich bin soweit…

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Eine Unterhaltung in der Nacht. Auf Englisch. Kein Traum. Wirklichkeit. Ich habe gesprochen und verstanden. Warum ich  dankbar erwachte, ohne als erstes das nostalgische Castro Theater mit seinen 1.520 Sitzen und fröhlich-lärmenden Besuchern samt Wurlitzer Orgel, auf der seit 1922 noch immer vor jedem Film ordentlich in die Tasten gehauen wird, im sonnenregenbunten Sinn zu haben.

 

„Happy Pride“

Das vergangene Wochenende bleibt Geschichte. Und wir waren dabei.
An die Entscheidung des Surpreme Courts können wir uns noch erinnern, wenn wir in Schaukelstühlen, Körper an Körper in dem einer Oma und dem eines Opas nebeneinandersitzen dürfen, um darüber zu sprechen, welche friedlichen Revolutionen in der Welt passierten – als wir noch jung waren… #LoveWins

Das Original des deutschen Ablegers, dem Christopher Street Day, ist hier die PRIDE. Sie hat ihren Ursprung in New York. Aber auch im loyalen Staat Kalifornien konnten wir in den Genuss kommen, die bunte ausgelassene Pracht einmal live vor Ort mitzuerleben.
Es. war. gewaltig. Erinnerungen sind planbar. Ok. Gebongt.IMG_1297 2

Bereits als wir in unser Apartment zurückkehrten, wurden wir von den buntgestreiften Fahnen, die entlang der Market Street vom Ozeanlüftchen zum Tanz gezwungen wurden, umzingelt. Nahezu die gesamte Stadt hatte sich in ein 6-farbiges Kleid geworfen und stimmte visuell auf die größte Parade Nordkaliforniens ein.

Over the Rainbow 

Gilbert Baker hatte die Regenbogenflagge im Jahre 1978 gestaltet. Sie gilt bis heute als das Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung und weil die Route der Parade genau durch unsere Straße führt, wäre ein Übersehen nur möglich gewesen, wenn wir uns im Bett verkrochen hätten.
Aber wer will das schon, wenn so viel Farbe und dabei so viel Gleichberechtigung in der Luft liegen und genau das auf den Straßen feiern.

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Bleibende Eindrücke und jede Menge Spaß

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Die Parade

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Kein Alkohol auf den Straßen. Dafür umso mehr nackte Haut.

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Ja!

Den Abschluss der Parade wohnten wir mit Austern, BigBand und Drag Queen Show bei, während mein Herz immer wieder ein älteres Pärchen streifte. Ich beobachtete sie, die beiden Männer. Mittleren Alters.

Verliebt turtelnd, der eine die Hand des anderen haltend. Ehemänner. Möglicherweise hatten sie sich noch am gleichen Tag ihr Ja-Wort in der City Hall, dem Rathaus von San Francisco gegeben. Ein geschichtsträchtiges Gebäude. Von innen und von außen. Und seit dem 26. Juni 2015 wohl noch mehr.

1978 wurden der Politiker und Bürgerrechtler der Schwulen- und Lesbenbewegung Harvey Milk und der damalige Bürgermeister San Franciscos George Moscone aus niederen Machtbeweggründen in der City Hall erschossen.

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Harvey Milk

Die White Night Riots aus dem Mai ’79 auf dem Rathausplatz betiteln die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Schwulen und der Polizei. Grund war die Verurteilung Moscones: Totschlag – 7 Jahre Knast.

Diese Bilder entgegengesetzt dem Gefühl – dem Glauben oder Hoffen – seinen Platz in der Welt gefunden zu haben. Wie überragend muss es sein, zu wissen wer man ist und wo man hingehört.

Ob als Frau oder Mann oder Transgender, als Bi-, Hetero, Homosexueller oder in welcher Schublade man es sich auch immer gemütlich gemacht hat – mit oder ohne ein Klischee gefragt zu haben.

Die Liebe zu einem Platz in der Welt

und zu einem anderen Menschen

findet immer ihren ganz eigenen Weg.

Es tut gut sagen zu können: Dieser oder jener Ort werden für immer für mich verantwortlich sein.

Hier gehöre ich hin.
Dort habe ich meine Wurzeln und Flügel erhalten.
DAS IST MEINE HEIMAT!

Ich bin dankbar, in jeglicher Hinsicht, meinen Platz gefunden zu haben und das wünsche ich nicht nur mir. Lächerlich, wer nun den Patrioten in mir sucht, denn mein Platz hat wenig mit Stolz oder Ortsgebundenheit zu tun.

Herkunft ist keine Leistung. Darauf stolz zu sein

ist Bullshit. So oder so ähnlich…

Schopenhauer.

Es macht mich traurig, wenn Menschen nicht selbstverständlich und unbekümmert in ihre Heimat zurückkehren können und nicht das Leben mit einer anderen Person leben dürfen, welches sie zu leben vermögen. Der Begriff Heimat wurde nicht umsonst gewählt. Er lässt sich nur aus einem einzigen Grund nicht in einen Plural setzten: Weil es nur eine gibt.

Ebenso ist es mit der Liebe.

„Das Glück ist ungerecht – Es gibt ja so einen ganz tollen alten Schlager von Vicky Leandros – … da singt sie: „Was kann mir schon geschehen, denn ich liebe das Leben“ Das ist mittlerweile so ein Kultsong in der Schwulenszene geworden. Und wenn das Lied gespielt wird, dann johlen die Jungs!“

Domian

Auf die Liebe, den Platz in der Welt und Heimat. Auf das Ankommen. 

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[…] war PRIDE, meine Freunde der bunten Unterhaltung. Meine zweite PRIDE seid wir in San Francisco leben. Bunt und farbenfroh ist nicht nur der Name des wundervollen Blogs […]

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