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Gib rechts nicht Recht – Blogparade

Automatisch muss ich an den Günther-Felke-Preis denken, mit dem ich am Ende der 10. Klasse für besondere Leistungen im Fach Deutsch ausgezeichnet wurde.IMG_1004
Mit Dreadlocks auf meinem Kopf, nahm ich ihn damals entgegen. Ich selbst, steckte in einem Army-Kleid, auf das ich im Kreisbogen und mit roten Wasserfarben den Songtitel von Pennywise »Fuck authority« auf die Höhe meines Steißbeines gepinselt hatte. (Selbstverständlich habe ich das Teil bis heute nie gewaschen.) Außerdem prangte da ein Mittelfinger Patch, hilfsbedürftig aufgenäht, auf der rechten Arschbacke.

Nach der Verleihung des Preises musste ich das Gymnasium verlassen.
Mit den Worten: »Sollte man mal was von Ihnen hören, lassen Sie den Namen unserer Schule ruhig positiv miteinfleißen«, wurde ich vom Direktor verabschiedet.
›Euch werd ich’s schon zeigen!‹, dachte ich mir damals im Saal, lächelte noch ein letztes Mal fürs Gruppenfoto und mit meiner DIN A 3 Urkunde und 150 DM bewaffnet, wurde mir klar, dass ich für das, was mir wichtig ist, kämpfen muss.  Der Preis war mein Initialfunke. Für so vieles.

Und der Titel, meiner eingereichten Arbeit, der initiale Funke für meine Teilnahme an dieser Blogparade.

12803293_1679858535572234_3149289625290242366_n»Begegnung mit der Vergangenheit«

So der Titel meiner fünfzigseitigen Deutscharbeit. Eine Geschichte, in der Naddi zwischen Einfalt und Vielfalt hin- und hergerissen ist. Das junge Mädchen verliebt sich in den Afrikaner Buba und wird von ihrer  rassistischen Dorfclique schließlich in den Selbstmord getrieben.

Nur Geschichte? 

Was kannst du mit einem Internet-Beitrag schon ausrichten?
Was kannst du mit einem vollgekritzelten Blatt Papier schon anrichten?
Was kannst du mit Worten schon bewegen?

Ich habe jedenfalls mehr Fragen als Worte, mit denen ich antworten könnte, deswegen nehme ich mir Carina Blumenroth zur Hilfe, die mit ihrem Gedicht aus der nachdenklich-stimmenden Anthologie »Trümmerseele« zur wichtigen Aktion #DichterfuerFluechtlinge ein Stück meiner Last abnimmt und einen Versuch nach Antwort unternimmt.

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Das beeindruckende Gedicht von Carina Blumenroth »der Bleistift als Waffe«

 

Was du aber sicher mit einem Slogan wie »Schreiben gegen rechts« verrichten kannst, das zeigt Anna Schmidt aus Berlin mit ihrer wichtigen Parade auf ihrem Blog bunt und farbenfroh.
Sie hat Ende Februar 2016 und zu einer friedlichen Blogparade aufrufen, bei der sich mittlerweile über 100 Blogger und Bloggerinnen beteiligt haben.

Allen Teilnehmern möchte ich es nun gleichtun, gerne mit dieser Herde bloggen und auch (m)einen Beitrag zur Blogparade beitragen.

 

 

Zu viel Gemeinschaft endet in Totalität

Totalitär ist, wenn das Vaterland über allem steht und der einzelne nichts ist. Dabei… Ist es nicht die Abgrenzung vom anderen, vom Nächsten, ohne dem Absoluten zu erliegen, was uns als Individuum ausmacht? Ist nicht gerade die Vielfalt es, die uns aus der Einfalt hilft?
Ist es mit dem links sein nicht wie mit dem rechts sein: Zu viel ist zu viel des Schlechten?
Extrem und fanatisch sind die Schlagworte, die alles aus dem Gleichgewicht bringen.

Ein Seiltänzer, der die Balance nicht hält, fällt!

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Er wird früher oder später auf einer Seite heruntersegeln. Zum Erliegen kommen, verlagert er sein Gesicht (Gewicht) zu sehr. Obgleich ihn doch gerade das Halten auf dem schmalen Grat ausmacht.
Nicht anders ist es im Leben. Mach laut, wenn du was zu sagen hast, aber versuche dabei immer die die Balance zu halten. Nicht falsch verstehen: Auch nicht ganz klug scheinende Entscheidungen, die, die zu voreilig aus dem Bauch getroffenen, die Entscheidungen, die man am liebsten rückgängig machen will; auch all diejenigen bringen dich weiter.

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aus: Voll Verdichtet – 66 Kurze

Du darfst immer wieder zurück zu deiner Balance finden, auch wenn du dich vielleicht mal zu sehr nach rechts gelehnt hast. Hauptsache, du findest wieder zurück!
Entscheide dich nicht für eine Seite. Entscheide dich nicht, rechts oder

links zu sein, denn die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Bringe dein Verhalten, deine Gedanken, deine Ansichten und deine Meinung in ein ausgeglichenes Verhältnis, so wirst du den Frieden finden. Zu weit rechts ist eine scheiß Option! Zu weit links im übrigen auch.

Ich versuche nicht zu verallgemeinern.  Ich will nur ganz plakativ: #NoHate

Toleranz soll vorübergehend sein

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aus: Projekt Leben, Klett

Toleranz darf in diesen wie in keinen Zeiten das große Zauberwort sein Schon Goethe erkannte 1809, dass
»Toleranz nur eine vorübergehende Gesinnung sein solle«. Der entscheidende Funke liegt im Übergang zur Anerkennung. Jemanden nur zu dulden, ist nicht zielführend, wenn man einem Menschen Gastrecht zugesteht. Duldung ist Beleidigung und hat nichts mit einem Weg in die Integration zu tun. Anerkennung beginnt im Kopf.
Jemanden zu dulden, bedeutet jemanden in die Anpassungsknie zur zwingen. Mit allen Mitteln?

Die Zukunft ist Anerkennung und wer das nicht duldet ist falsch.
Auf der ganzen Welt.

Jedermann hat das Recht auf Freiheit und Leben, ohne einem anderen zu schaden. Das gilt übrigens für jeden Menschen! Und ich meine nicht nur in Deutschland, aber auch dort.

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Musik-Flashmob gegen Rassismus: 1 Piano, 2.000 singende MenschenGegen Rassismus. Und für Menschenrechte und Vielfalt. Dafür sind heute an 150 Orten in ganz Deutschland Menschen auf die Straße gegangen. Gänsehaut! Seht Euch hier das Video aus Mainz an und teilt es, wenn Ihr gerne mitgemacht hättet.

Posted by Campact on Samstag, 19. März 2016


Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und für euren Kommentar. Und Anna danke, für den Anstoß zu diesen Gedanken!


Eure
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2 Comments on "Gib rechts nicht Recht – Blogparade"

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anna_schmidt_berlin
Gast
1 year 6 months ago

Liebe Jennifer, was für ein bereichernder Beitrag mit vielen Anregungen, die mich ins grübeln bringen. Aber der Satz gefällt mir am besten: „Mach laut, wenn du was zu sagen hast, aber versuche dabei immer die die Balance zu halten.“ … er ist so wichtig und drückt so viel aus … lieben Dank, dass dein Beitrag nun Bestandteil der Parade ist! Herzliche Grüße von Anna

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