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#8: Wie war dein Wochenende, Verein zur Förderung der Dichtung am Untermain?

Der MontalkSchnack, mein neues Thema in der Kategorie Schriftl | ICH,

Screen Shot 2016-04-22 at 7.56.36 AMpräsentiert die Meinung aus meinem Montagsmund. Aber meine Meinung ist nur eine Meinung. Deswegen interessiert mich eure.


Übrigens
: Lieber scrollen, statt schmollen!
Heute ist Alex Sonnentag, 2. Vereinsvorsitzender des Dichtungs-Vereins am Untermain im MontalkSchnack. Das Vereinsmitglied aus Leidenschaft verät uns das Geheimnis des
Maulaffs von Aschaffenburg und beweist Hang zum Experimentieren.

Vereine, E-Mail-Romane und der ominöse Maulaff

Alles begann mit einer Email. Das Tor zur virtuellen Welt. Der leichteste Weg, im Internet eine Verbindung herzustellen. Nicht zu einer Seite, sondern zu einem anderen Menschen. Ganze Romane sind schon aus der »electronic mail« oder E-Post entstanden und auch heute noch gilt die Email als »wichtigster und meistgenutzter Dienst des Internets.«

Die elektronische Briefpost gibt es seit Ende der 80er und die erste Email, die in Deutschland ankam, ging geradewegs in die Geschichte ein.

 

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A image: DPA

Heute ist es ganz normal geworden, sich über diese Art des Schriftverkehrs zu unterhalten, Geschäfte abzuwickeln oder Beziehungen zu pflegen.

An Stelle des verstaubten Briefromans ist sogar die Romanform des E-Mail-Romans getreten. Bei diesen über den elektronischen Weg übermittelten »Briefe«, die zwei oder mehrere Erzähler aufweisen, die sich per Mail austauschen und auf diesem fixen Weg eine Geschichte entstehen lassen, die ganz ohne Papier und Briefmarken auskommt, ist es dem Leser erlaubt Teil eines schriftlich geführten Dialogs zu werden.

Die Erzählperspektive ist in der Ich-Form gehalten, sodass die Darstellung der persönlichen Meinung ein entscheidendes Merkmal darstellt. Nicht zuletzt werden private Einblicke gewährt. Ein berühmtes Beispiel für einen E-Mail-Roman ist das Buch Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer.

Und auch aus dem folgenden Schriftverkehr mit Alex Sonnentag, 2. Vereinsvorsitzender des Vereins,

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ist ein kleiner, aber feiner und ganz sicher eigener E-Mail-Roman geworden.

Und angefangen, hat alles mit einer harmlosen »elektronischen Nachricht« mit Herr Sonnentag

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Hallo Herr Sonnentag,

durch Zufall habe ich gesehen, dass Sie den Main-Reim Wettbewerb geupdatet haben. Nun werden auch Gedichte gesucht. Das wiederum spricht mich mehr an. Mal sehen, ob ich mich selbst beteilige.

 

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image: facebook.com/main.reim

Nun ist noch etwas anderes in mir entfacht (…) und (…) mit folgendem Anliegen an Sie herantreten: Mögen Sie Experimente?

Auf meinem Sekretär schriftverkehr.net habe ich der Kategorie (Schriftl:ICH) ein neues Thema zugeordnet. Den MonTalkSchnack.

Nun habe ich einiges über Ihren Verein gelesen. Bin wieder und wieder auf den Maulaff gestoßen, während ich mich über die Stadt Aschaffenburg informiert habe – bis ich schließlich in der Heidelberger Romantik bei Clemens Brentano gelandet bin.

Ich bin mir noch nicht ganz einig darüber, worauf meine hiesige Anfrage eigentlich hinauslaufen soll, da mein Kategoriethema noch im Aufbau ist und ich mich diesbezüglich noch ausprobiere (…) aber prinzipiell: Wären Sie zu einem kleinen Schnack, in Form eines »wachsenden Interviews« mit mir bereit? Eines, das wir über einen unbestimmten, und längeren Zeitraum halten würden? 

Gleich einer Art des Gesprächs, dessen Thema erst mit der Kommunikation, dem Dialog, entsteht? Was sagen Sie? Wie sehr könnte Sie dieser Vorschlag begeistern? 

Hallo Frau Hilgert,

Dann experimentieren wir doch einmal. Ueber welche Themen möchten Sie denn schnacken? Schönes Wochenende und viele Grüße aus der Bahn.

Alex Sonnentag

Hallo 🙂

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image: www.maulaff.eu

Schnacken … Nun, worüber lässt (…) sich gut schnacken?
Sagen Sie doch mal, Herr Sonnentag, (…) ist Ihnen heute (…) ein Maulaff im Alltag begegnet? Vielleicht sogar in der Bahn?

 

Wenn nicht, wann der letzte? Wie kamen Sie auf das Thema Ihres Literaturwettbewerbs? 


Ebenfalls ein schönes Wochenende.

Moin,
(…)
Das Thema haben wir wegen des Regionalbezuges gewählt. Es ist ein verdammt sperriges, absolut ungefälliges Thema, bei dem ich spontan keine Lust hätte etwas dazu schreiben, das gebe ich gerne zu. Aber manchmal kommen bei solchen Themen richtig spannende Sachen heraus. Und wir haben demokratisch abgestimmt und der »Maulaff« hat überlebt.

Wobei wir uns mit der Themengabe – nicht für den Wettbewerb, sondern unserem Schreiben – auch selbst fordern.
(…)

Bei uns läuft das so: Ein Thema wird vergeben und alle anderen haben zwei Wochen Zeit, das Thema lyrisch auszuarbeiten. Ablehnen geht nicht. Die Themen werden reihum vergeben, so dass jeder sein Thema anbringen kann, etwas zur Disposition stellt, oder sich schlicht für ein bisheriges Thema rächt. (…) Deshalb bin ich auf den Maulaff gespannt. (…)

Viele Grüße aus einem verregneten Deutschland.

Alex Sonnentag

Hallo aus dem düsteren Montagnachmittag,

Wieviele Mitglieder zählt denn Ihr Verein und seit wann rächen Sie sich aneinander für die Themen, die wie ich finde mit Plattentektonik, Brechreiz, Kreiswehrersatzamt, Perihel, Schweißfuß, Pünktlichkeitsgarantie, Münzfernsprecher und EHEC wirklich sehr außergewöhnlich sind. Kurz: Seit wann besteht ihr Verein? (…)
Etwas ungenau habe ich mich wohl an folgender Stelle ausgedrückt: Schnacken! (…)
Der Maulaff. Er war mir genauso fremd wie das Schnacken, bis ich in Ihrem Wettbewerb darüber las.

Maulaff. Er war mir genauso fremd wie das Schnacken. (…) Und noch etwas interessiert mich: Wann hat Ihr Verein den ersten Literaturwettbewerb ausgerichtet und gibt es etwas lustiges/kurioses/spannendes davon zu erzählen?

Bis bald 

Moin aus Hamburch!

Mitglieder haben wir aktuell knapp 50, davon schreibtechnisch fest involviert 5 bis 8. Der Verein besteht seit 2004, ich bin erst 2006 dazugestoßen – und das erste Mal gerächt für ein Thema habe ich mich, hmm, … ich glaube, ich das sollte ich wirklich mal machen.
(…)
Jaja, die Bremer und das Oktoberfest. Ich assoziiere Hamburger als erstes mit Schnacken, also die Richtigen, nicht die befladeten brötchenartigen Gebilde. RLP ist meines Wissens nach auch das einzige Bundesland, in dem schönes, gut klingendes und präzises Hochdeutsch gesprochen wird und die Menschen alle unheimlich höflich sind. Ich weiß, ich komme auch da her.
(…)
Den ersten Lyrikwettbewerb haben wir 2008 / 2009 durchgeführt und dann zusammen mit einem Obernburger Verlag eine Anthologie mit den Einsendungen herausgegeben. Gefolgt ist dann 2014 der zweite Lyrikwettbewerb zum 400 jährigen Schlossjubiläum mit über 480 Einsendungen aus ganz Europa. (…) Es gab auch einen Spezialpreis für den jüngsten Teilnehmer mit 6 Jahren.

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image: main-reim.de


 

Etwas kurioses aus einem Wettbewerb?
Auch wenn es vielleicht komisch klingt, es gibt da fast nur kurioses. Und das meine ich jetzt absolut positiv. Das ist jetzt keineswegs ironisch. Keineswegs.

Noch eine schöne Restwoche.
Alex Sonnentag

Moin Moin, aus dem Abend (aus Bremen weiß ich, dass man dort immer »Moin« sagen darf, egal zu welcher Tageszeit),

ich erinnere mich noch gut an meinen Schlossbeitrag zu Ihrem Wettbewerb des Schlossjubiläums. Kurz danach entdeckte ich nämlich meine Leidenschaft für Hauseingänge. Seitdem sammele ich sie. Fotografisch zumindest. Früher als Kind sammelte ich Kaugummis. Und Tempopackungen mit außergewöhnlichen Motiven. Und Schneekugeln. Aber nur die aus Glas. Und …

Welcher Sammelleidenschaft gehen Sie nach?

Gibt es Themen, von denen Sie denken, dass sie in einem Gedicht nichts zu suchen haben?

Wen wollen sie mit ihrem Verein erreichen und warum wurde er gegründet?

Die Werbung darf weitergehen.

Grüße Jennifer Hilgert 

Moin!

Moin passt immer. Ich sammle Erfahrungen, gute, schlechte, bunte, plastische oder auch nicht. Als Kind hab ich das klassische, langweilige Zeugs gesammelt. 

(…) Ich persönlich mag Gedichte, die sich in ihrer Epischen Länge etwas zurückhalten.

Tunlichst vermeiden, hmm, tunlichst vermeiden sollte man es Gedichte so zu schreiben wie Günter Grass. Definitiv.

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Auch bei den Inhalten kommt es darauf an, was Sie erreichen möchten.
Von daher denke ich, das es nicht möglich ist oder in Erwägung gezogen werden sollte, Inhalte kategorisch auszugrenzen. Ich persönlich würde Themen auslassen, bei denen ich anderen
möglicherweise auf die Füße trete. Es sei denn, ich hätte den unbändigen Wunsch ganz gezielt auf entsprechende Füße zu treten.

Wir wollen den Blick ein bisschen mehr auf Lyrik lenken und die Tatsache, dass es durchaus möglich ist, aktuelles witzig, tragisch, wild oder ruhig zu präsentieren und zu unterhalten. Ja, ich glaube, wir wollen unterhalten. Ok, zumindest ich will das.

Noch eine gute Woche aus dem verregneten Frankfurt.

Alex Sonnentag

Hallo lieber Herr Sonnentag,

es tut mir wirklich leid, Sie immer wieder auf Ihren Namen hinzuweisen, von dem Sie sicher am besten wissen, aber ich finde es so entzückend, dass sich in Ihre Verabschiedung ein Paradoxon eingeschlichen hat.

Hier in Stadt hängt der Nebel tief und hat sich an der Bay festgesetzt.

Herr Sonnentag, ich bedanke mich sehr bei Ihnen für unseren anregenden  Schriftverkehr (haha!) und Impressionswechsel.

Ich freue mich, dass Sie sich auf das Experiment eingelassen haben.

(…)
Vielleicht noch 5 Fragen zum Abschuss. Bitte antworte Sie doch so kurz wie nötig und so ausführlich wie möglich.

1) Um Aschaffenburg sollte man einen Bogen machen, wenn
2) Ein guter Verein ist ein guter Verein, wenn …
3) Sprachlosigkeit kommt auf, wenn …
4) Posie finden keinen Platz wo …
5) »Dichtung als Umgangsform und Ausdrucksweise neu empfinden lernen«, funktioniert folgendermaßen:


Danke für den Schnack.
Liebe Grüße,
Ihre Jennifer Hilgert


… man Kultur, Genuß, Vielfalt und Freude verpassen möchte.

es sich nicht wie ein Verein anfühlt.

Worte, Gebärdensprache und Lächeln versagen.

es nur Fertigsuppen gibt? Im Ernst: Ich denke – wobei wir Poesie noch nicht definiert haben – Poesie findet überall Platz und beansprucht ihn auch. Es gilt nur sie zu erkennen.

»Dichtung als Umgangsform und Ausdrucksweise neu empfinden lernen«, funktioniert folgendermaßen: Hören, machen, staunen, lachen.

 

Ende

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Mein Dank gilt Ihnen Herr Sonnentag und allen anderen – wie immer – vielen Dank für die Aufmerksamkeit


Eure
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Aida
Gast
Aida
1 year 4 months ago

Mein lieber Alex, liebe Frau Hilgert,

Mist?! Was mach ich jetzt? Du, Sie, ihr? Ich bin die Ältere und darf das wohl und wähle das ihr:
Macht weiter so, schnackt poetisch weiter, gebt Bildern Wörter oder umgekehrt. Das liest sich gut an.
Hocherfreute Grüße aus dem rheinischen Exil, dass sich bei dem sommerlichen Wetter vorzüglich ertragen lässt.

Aida

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