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Warum man es sich zur Abwechslung einfach schwer machen sollte – Teil 1

Ja, ist schwerSchwer ist schwierig, ist nicht leicht, ist komplex. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit setzt man sich schonmal gerne schwer unter Druck: Wer bekommt das passende Geschenk? Wann besorgt man es? Wie und wann packt man es ein?
Und es geht noch kniffliger: Wie funktioniert eigentlich das zur Besinnung kommen, bei gleichzeitig hochgradigem Weihnachtsstress, das sich Zeitnehmen, bei paralleler Hetzerei und Rennerei und auch das Schlemmen und Genießen, simultan zum Schönheitswahn.
Gerne möchte ich es mir dabei so einfach wie möglich machen und dann merke ich schnell: Es geht einfach nicht. Weil ich es nicht will.

Warum es sich zur Abwechslung einfach mal so schwer wie möglich machen?

Schwer-Gedanken verdienen Aufmerksamkeit

Was nicht einfach ist, ist schwierig. Mag sich simpel anhören, ist es auch und das hat einen guten Grund. Haufengedanken, dass heißt, Gedanken, die sich überschlagen, besonders jetzt in der besinnlichen Zeit, haben nur eines zum Ziel: Sie wollen beschweren. Dabei tun sie es noch nicht einmal bewusst oder aktiv, denn lästige Laster haben keinen intrinsischen Nutzen. Sie sind das Abbild dessen, was wir uns selbst in unserem Köpfchen schaffen, das, was wir uns selbst antun. Also verdienen sie in erster Linie einmal Aufmerksamkeit. Sie sind die Absicht dessen, was wir selbst erschaffen.

Wie kann man mit ihnen umgehen?

Statt der ganzen Arbeitsteilung, Erleichterung und die Dingen hinzunehmen, sie annehmen wie sie sind – warum nicht einfach noch ein paar weitere Hindernisse kreieren? Warum nicht noch mehr Bürden in Kauf nehmen, Probleme schaffen und Optionen wälzen? Kommen wir dann nicht umso besser an unsere Grenzen? Sind nicht genau sie es, die uns wachsen lassen? Die Grenzen und das „darüber hinaus“?

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Ein Zitat aus „Tage wie Türkis“ lautet:

„Man sollte jeden Tag mit Zeit beginnen. Gedacht hatte Amy das schon oft, aber heute hatte sie es einfach gemacht. Einfach ist nichts. Sie hatte es endlich gemacht. Sie hat es sich endlich einfach gemacht.“

Was wäre allerdings, wenn man es sich zur Abwechslung einfach mal schwer, statt leicht
machte? Wie oft sagt man ohnehin, dass es nicht einfach sei? Wenn man also zumindest dazu stünde, dass etwas sau schwer ist, warum es
easy ist nicht schwer nicht auch leben, selbst wenn es ein Dritter gar nicht recht nachvollziehen kann? Lösten sich viele Haken nicht automatisch? Wird nicht der Gedanke an die Schwerfälligkeit im Kopf zum Positiven umgewandelt, allein, wenn man eine Angelegenheit als schwer identifiziert? Würde nicht alles viel besser sein, wenn man von Anfang an dazu stünde, dass etwas nicht so einfach ist, wie es erscheint?  Was wäre, wenn man eine Sache mit all seinen Schwierigkeiten annähme, fiele sie dann nicht leichter?
Was wäre, wenn man sich alle Laster bewusst machte, wenn die Pakete und Gewichte, die an Nerven, Armen und Fußspitzen hafteten, wenn sie als solche schon wieder federleicht bewusst würden?

Ich komme heute zu der Schnellansicht, dass es mir besser gehen könnte, würde ich meine Lebenssituation furchtbar schwer nehmen. Schlage ich also dem Leichtmut ein Schnippchen, indem ich ihn  verteufele und biete stattdessen dem Schwermut Einzug. Es verfälscht dann wenigstens das wenige Wasser den Wein, schließlich bin ich Mensch und habe die besten Voraussetzungen dafür: Ich bin bin mit einem Verstand, mit einem Gewissen und der Fähigkeit zu leiden ausgestattet. Was läge da näher, als die Komplexität zu akzeptieren? Denn was vielschichtig ist, kann nicht leicht sein.

To be continued.

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Dem Leichtmut ein Schnippchen schlagen ist nicht schwer

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