Geburtsmaskerade

Hier gibt’s die letzten Tage bis zur Geburt Punk und Poesie und ein Abriss aus meinem Kopfchaos. Habt Nachsehen (alles besser als Nachwehen), bin nur eine schwangere Frau, die ihre kurzatmige Stimme nutzen und Dampf ablassen will, damit eine bessere Lösung gefunden werden kann. #nichtsistnur #machlautwennduwaszusagenhast

Hier habe ich heute meinen ersten Hormonpogo am Start und, liebe Leser:innen, ich versichere euch, es ist ganz sicher nicht der erste während meiner Schwangerschaft! Ich habe eine hübsche Sammlung zusammen gestellt, damit die Zeit meiner Abwesenheit nicht ganz schmerzlich und leise ausfällt.

Geburtsmaskerade ist allerdings der erste Pogo, den ich öffentlich blogge. Es handelt sich um ein E-Mail Schreiben an die Hygieneabteilung meiner Geburtsklinik. Die Zeit bis zur Geburt verpackt sich in nur noch wenige Tage. Außerdem würde ich wirklich gerne eure Meinung darüber wissen. Aber bitte bleibt fair! Vielleicht liege ich mit etwas falsch, ich bin keine Expertin und wenn ihr das auch nicht seid, dann lasst uns diskutieren und spekulieren, aber nicht hetzen und anprangern und schon gar nicht diffamieren.

Sehr geehrte Frau Hygienebeauftragte,

in der vergangenen Woche hatte ich per Telefon das sehr sympathische Aufnahmegespräch mit Frau XY. Der Geburt meines Sohnes steht also nichts mehr im Wege.

Fast! 

Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, steht mir beim Gedanken an ein kleines (wohl wichtiges!) Stück Stoff bereits jetzt der Schweiß auf die Stirn gezeichnet und somit doch etwas entschieden im Weg: Der Mund-Nasen-Schutz! Maske tragen unter der Geburt. 

Maske ist Schutz

Verstehen Sie mich nicht falsch, auch mir liegt der Schutz der Mitarbeiter:innen sehr am Herzen, trage ich die Maske doch aus Überzeugung, sogar dort, wo es nicht explizit von mir verlangt wird oder mehr als “Eintrittskarte” dient.

Sie vielleicht auch? Ebenso mein Mann, Freunde von uns … Da sind wir, deutschlandweit gesehen, wohl im Gegensatz zu den Corona-Gegner:innen eine Ausnahme.
 
Allerdings möchte ich in diesem besonderen Fall meine Stimme nutzen, sie erheben – zum Glück nur schriftlich – und anregen, dass es auch noch eine andere Lösung für diese Vorschrift geben muss! 

Das Atmen ist mein Geburtsinstrument

So ist die Atmung doch das A und O (im wahrsten tönenden Sinne) für die Frau während einer Geburt. Nicht nur, dass minimum 2,5 Stunden im Vorbereitungskurs dafür genutzt werden, die richtige Atemtechnik zu “erproben”, die perfekt für die Frau zugeschnittene Geburtsposition unter Berücksichtigung des Mund-Nasen-Kanal-Zusammenspiels zu finden und es auch noch erwünscht wird, so intensiv Mund und Nase zu “benutzen” wie nur möglich, da wird uns Geburtsgeplagten (😉) genau dieses “wie nur möglich” zur wichtigen Einschränkung. 

Denn mit Maske ist mir genau das nicht ohne Last möglich: Mein freier Atmen! Ich habe ja jetzt schon Probleme mit Kurzatmigkeit, wenn ich nur vom Sofa aufstehe, ganz zu schweigen vom Besteigen einer Treppe. Und genau dieses Instrument, DAS Werkzeug zum Gebären meines Kindes, das wichtigste Mittel, die Geburtswellen veratmen zu dürfen, um meinem Sohn Stück für Stück näher zu kommen und ihn mithilfe der Kraft meiner positiven Gedanken, meiner letzten Energiereserven nach 10 Monaten Schwangerschaft, meiner Ausdauer, die mit, momentan leichter Erkältung, keiner Sportlerin mehr gleicht und meinem Atmungsapparates durch den Geburtskanal zu verhelfen, dieses Werkzeug soll mir und anderen werdenden Müttern eingeschränkt bzw. genommen werden? 

Lösungsansätze

Nach einem Telefonat mit dem Gesundheitsamt Mainz-Bingen und den Damen und Herren des Gesundheitsministeriums Hessen habe ich erfahren, dass diese Bestimmung seit August 2020 nicht angeordnet wurde, sondern im Ermessen der Klinik liegt.

Ich möchte Sie bitten: Bitte lassen Sie es mich verstehen, warum wir nicht eine andere Lösung zum Wohle aller finden können? Im Moment beschränkt sich die Verordnung mehr auf das Wohl Ihrer Mitarbeiter:innen, nicht?. Verständnis? Ja, aber … nur bedingt.

Ich möchte gerne mit Hilfe einiger Vergleiche nachvollziehen können, warum Fußballer:innen nach einem C-Schnelltest gemeinsam Fußball spielen dürfen, Menschen in Talkshows nebeneinander (mit Abstand) sprechen und ihre Stimme erheben dürfen, gemeinsam einen Raum in Gaststätten teilen können ohne einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen? 

Was ist beispielsweise gegen die Möglichkeit einzuwenden, jeder Gebärenden mit Partner:in einen Corona-Schnelltest zu verordnen? Vor Eintritt in die Klinik werden wir doch meines Wissens nach ohnehin getestet? Ich bin mir sicher, dass Gebärende in diesem besonderen Fall bereit wären, die Kosten dafür selbst zu tragen. Warum dann trotzdem den angeordneten “Schutz“ durch die Maske und die Anweisung, dass der/die Partner:in die Räumlichkeiten immer wieder verlassen muss und erst mit Eintritt in den Kreißsaal dazu kommen kann? Birgt das nicht immer wieder neue Infektionspotentiale?

Zahlen, Fakten, Statistiken?

Wie hoch ist das Risiko, dass eine Frau unter der Geburt mit Maske kollabiert? Gibt es Zahlen aus Studien und Statistiken, die das Tragen einer Maske, nach negativem C-Test, rechtfertigen? Deutschland testet und testete so intensiv in der letzten Zeit, ich erinnere an die Rückkehrer aus Urlaubsgebieten (ja, sogar Drive-Thru-Testungen wurden für Autofahrer:innen aus Ferien-Hotspot-Regionen angeboten), da soll es bei Schwangeren im Kreißsaal aufhören? Kann eine durchnässte Maske (bei einer Gebärenden nicht unüblich, stelle ich mir vor) noch Schutz für andere sein? Wer wechselt die Maske? Was bringen Visiere? Was passiert, wenn ich mich, wie bei der ersten Geburt meiner Tochter, mehrmals in Abständen übergeben muss? 

Sie lesen, liebe Frau Soundso, ich habe viele Fragen und umso mehr die Gedanken kreisen und Fragen entstehen, umso unsicherer werde ich, obwohl ich eigentlich sehr selbstbewusst und selbstbestimmt in die Geburt gehe.

Bei einer Sache bin ich mir aber sicher: Sie werden meine E-Mail überdenken und ich erhoffe mir, mit Ihnen gemeinsam eine Lösung zu finden, die zum Wohle aller Beteiligten ist, denn auch die Hebammen und Geburtshelfer wünschen sich geeignetere Lösungsmöglichkeiten, damit nichts unter, Verzeihen Sei mir die Redewendung, vorgehaltener Hand, vonstatten gehen muss.

Zufriedene Mitarbeiter:innen + fröhliche Gebärende = erfolgreiche Geburt im Stift

Sie wissen ja: Die üblichen Geburtswellen sind schon Grund genug verrückt zu werden, wenn man nicht die Möglichkeit erhält, sich nur, und ich sage jetzt sehr explizit: N U R darauf konzentrieren zu können!

Schaffen wir es also, so wenig wie möglich Kopfzerbrechen neben den Geburtsschmerzen zu verursachen und die Geburt eines Kindes zu einem der schönsten Ereignisse werden zu lassen? Das ist sie nämlich! Daran wird auch die Maske nichts ändern, weil ich mich NUR auf das Atmen und Schieben meines Kindes aus mir heraus konzentrieren werde. Aber ich sage es mal so: Ohne Maske, wär schon schöner …

Es könnte eine gute Gleichung werden: Zufriedene Mitarbeiter:innen + zufriedene Gebärdende (mit gesunder Regelung für Partner:innen) = erfolgreiche Geburt im XY-Stift. 


Haben Sie vielen Dank für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

unterschriften-schriftarten

2 Gedanken zu „Geburtsmaskerade

  1. Jennifer Hilgert sagt:

    Ich hatte zumindest mal ein Gespräch mit der leitenden Hebamme und bin jetzt etwas milder gestimmt. Trotzdem wird sich an der Regel nicht rütteln lassen und auch eine gemeinsame Absprache der Krankenhäuser, sowohl in RLP als auch in Hessen, kann man getrost vergessen. Das ärgert mich weiterhin und schadet meiner Meinung nach nicht nur den einzelne Interessengruppen, sondern treibt die Spaltung einer ganzen Republik voran. Nicht der Stück schützende Stoff: Sondern die unterschiedlichen Regelungen.

    Ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte und deine Infos! Am Ende wird alles gut 😉

  2. Anonymous sagt:

    Zufällig habe ich heute Morgen gelesen, dass in den Hamburger Kliniken während der ersten Corona-Welle noch Maskenpflicht bestanden hat, inzwischen die Gebärenden im Kreißsaal aber frei atmen können.

    Das medizinische Personal muss deshalb nicht gefährdet werden. Diese Masken mit dem Ventil, (die Bezeichnung ist, glaube ich, FFP3), schützen nicht wie normale Masken die Umgebung, sondern filtern die Atemluft für den Träger oder die Trägerin. Du musst dir also keine Gedanken machen, dass du jemanden gefährdest.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass alles gut geht und du während der Geburt frei atmen kannst.

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