Ein offener Brief – Mieser Seelensalat

Am kommenden Sonntag um 19 Uhr, werde ich meine Leserunde bei Lovelybooks starten.

Warum ich dir da was erzählen muss …

Lies selbst.

Liebe Leserin, lieber Leser,

nun, zum einen schreibe ich dir, weil ich will, dass du die Möglichkeit bekommst mein Buch zu lesen, wenn du es noch nicht getan hast. Gratis. Du wirst in dieser Leserunde die Gelegenheit bekommen „Tage wie Türkis“ als eBook zu lesen. Und das ganze kostenlos. Alles was du dafür tun musst, verrate ich dir am 15. April 2018. Zum anderen erzähle ich dir das, weil ich ehrlich mit dir und gut zu mir sein will.

Gelegenheiten soll man ergreifen, sollten sie einem gelegen erscheinen.

Schon am vergangenen Sonntag hatte ich das mit der Leserunde auf Facebook erwähnt. Doch dann ist etwas passiert. Nachdem ich meine LIVELESUNG auf Facebook gecancelled hatte, möchte ich dir nun nochmal erklären warum und ich möchte dir auch sagen, warum ich die Leserunde noch nicht gestartet habe.

Mir ging es nicht gut. Das war Fakt. Ich hatte aber keine Grippe oder ähnliches, ich hatte Bauchschmerzen. Und die kamen von meiner Angst. Von meinen Sorgen. Ich mache mir in der letzten Zeit sehr viele Sorgen. Ich frage mich, was noch richtig ist und was schon lange falsch. Ich stelle mir Fragen. Sinnesfragen. Existenzfragen. Grundsatzfragen. Da hatte es mir wirklich geholfen die Lesung von Jürgen Domian am Freitag im Frankfurter Hof in Mainz zu besuchen. Sein neuer Buchtitel: Dämonen.

  • Wer bin ich wirklich?
  • Wer will ich sein?
  • Was kann ich erreichen?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was will ich verändern?
  • Was muss ich behalten und was soll gehen?

Ich frage mich, wie ich mich (richtig) verhalten soll, wo ich mich doch so hin und hergerissen fühle im Bezug auf meine Arbeit, mein Leben und meine Person und wisst ihr was? All diese Fragen kann ich gerade nicht beantworten. Vielleicht muss ich das auch gar nicht. Nicht jetzt sofort. Vielleicht sagt ihr mir, dass es euch auch mal so geht und das wird mir ein Trost sein. Vielleicht ratet ihr ihr mir auch etwas Hilfreiches. Ich wäre euch dankbar. Vielleicht ist es euch auch gleich und wisst ihr was, das ist völlig ok.

Was ich aber auf jeden Fall weiß, ist, dass ich mir wieder sicherer sein will. Indem was ich tue und wie ich es tue und die Livelesung an diesem Sonntag abzusagen, war für mich die nötige Konsequenz. Es hat sich für mich richtig angefühlt.
Ich wünsche mir, wenn ich etwas tue, dass ich es tue, weil ich es GANZ TIEF WILL und DANN ist es für mich die wichtigste Sache der Welt. Ich bin dann ganz bei euch. Bei mir. Bei dir oder bei uns.

An diesem Sonntag war das anders. Ich wollte bei meiner Familie sein; mit ihr zusammen SEIN. Das Wetter war bombastisch und ich hoffe, ihr konntet es auch genießen, wo immer ihr auch ward und was auch immer ihr getan habt. Ich will wieder dahin zurück, dass ich meine Dinge aus vollkommener intrinsischer Motivation tue, dass heißt, dass ich es aus mir selbst heraus will. Klar, da sind Sachen, die müssen getan werden, ohne wenn und aber. (Ich habe beispielsweise noch nie so häufig den Küchenboden gewischt, seitdem wir ein Kind haben) Aber hey, vielleicht kann ich dahin kommen, dass ich Dinge, denen ich mich widme mit Tatkraft und Liebe und Wertschätzung für die Sache tue und wenn nicht, wenn es sich nicht richtig anfühlt, und ich ne Wahl habe, dann kick ich sie.
Vielleicht geht das mit einigen, hoffentlich mit den meisten Dingen.

Die letzten Monate waren hardcore. Ich bin mir sicher, dass ihr genau wisst von was ich rede, versetzt euch nur mal in die Zeit eurer härtesten Herausforderungen zurück. Ich bin müde gewesen. Ausgebrannt. Ich wollte „Tage wie Türkis“ im Buchhandel unterbringen und das will ich immer noch, aber nicht um jeden Preis. Ich will mir und meinem Schaffen treu bleiben. Dabei merkte ich stetig, wie verbissen ich es versuchte.

Verbissenheit ist löblich, aber sie bremst auch.

Man beißt und beißt und beißt, merkt nicht wie sehr man schon an den Knochen nagt und hat sich schnell mal „verbissen“. Verrannt. Meinen Blog, den ich eigentlich mag, leidet auch darunter. Keinen MontalkSchnack mehr, keine Folge-Artikel übers Gedichte-Schreiben. ABER: Dafür habe ich wieder Gedichte geschrieben. Und ich habe mich mit interessanten Menschen unterhalten, einfach so. Habe Ihnen Fragen gestellt, mich inspirieren lassen. Ich kann meiner Familie wieder näher sein, weil mir klar ist, das sie das Wichtigste für mich sind. Ich hasse mich dafür es zu schreiben, aber ich habe das in den letzten Wochen nicht immer gesehen. Sie nicht als das Wichtigste erachtet und wenn andere arbeitende Mütter mich verstehen, dann bitte, gebt mir ein Zeichen. Wir müssen doch zusammen halten und uns nicht auch noch zerfleischen. Wir sind Frauen und Mütter und Chefinnen und Freundinnen und Künstlerinnen und Liebende und Wissenschafterinnen und Erfinderinnen und gleiches geht an die Männer da draußen. Ihr seid Väter, Chefs, Freunde, Künstler, Liebhaber, Wissenschaftler, Erfinder und was sonst nicht alles noch. Wir sind alle so viel. Lasst und zusammen halten, wenn es schwierig wird.

Ich bin auf meinem Weg. Vielleicht bist du auf deinem. Ich würde mich freuen, von ihm zu lesen und von deinen Erfahrungen und wahren Gedanken zu profitieren. Es ist wichtig, sich anzuerkennen, sich kennen zu lernen. Hey, ich bin Jennifer und ich versuche seit Jahren meine Leidenschaft zum Erfolg zu machen und vom Schreiben leben zu können. Ich will mein fünftes Buch in den Buchhandel bringen und gerade strauchle ich verdammt nochmal.

Anerkennung! Anzuerkennen, dass alles immer im Werden ist, das der Weg ein Weg ist, ein Prozess, ständig im Wandel, in Zerrissenheit und Unmut und Wärme und Licht und Verwirrtheit, um wieder einen Ausweg oder einen Umweg zu finden.
Ich muss gestehen, dass ich mir das als ungeduldige Person mit dem Hang zum Drama nicht immer ganz eingestehen kann. Ich will am liebsten immer gleich alles und sofort. Alles soll sofort in den Bahnen sein, in denen ich die Dinge brauche. Das ist Murks! Und ich sage es euch und dir ganz ehrlich: Ich habe so viel Sorgen in den letzten Wochen gehabt, dass ich mich schon ein wenig dafür schäme, denn wenigstens bin ich gesund! Noch. Auf der anderen Seite ballern sie mit  Waffen. Irgendwo sterben Wälder und Kinder und Illusionen. Anstatt einfach mal die Arschbacken zusammen zu kneifen. Aber manchmal geht das ohne Hilfe nicht und vor allem nicht, ohne das zuzugeben. Und nicht ohne Sorgen. Sorgen, die so sehr zehren am Selbstbewusstsein.

Wenn sich diese Sorgen dann auch noch in Angst und in Scheinwahrheiten verwandeln, dann hat man den Seelensalat: Alles erscheint unüberwindbar. Ich kann anderen gut zu reden, kann heilende Worte sprechen und Empathie empfinden, aber ich schaffe es nicht, es für mich selbst umzusetzen. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Wochen ändert. Ich mache einen Plan und komme dann Schritt für Schritt zurück, obwohl ich ja niemals weg gewesen bin, oder vielleicht doch? Die Jenny, die ihr kennt, war vielleicht nicht mehr da. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob das geschehen wird. Weil ich mich immer wieder verändere und vielleicht niemals meine oben genannten Fragen beantworten kann, wenn ich mich nicht endlich löse. Von Sorgen und Ängsten und Selbstzweifeln. Ich bin eine Künstlerin (und das bringe ich ganz schwer auf diesen Screen, ja selbst das Wort Schriftstellerin ist einfach sooo so schwierig zu schreiben, geschweige denn auszusprechen, ihr glaubt es nicht!) und gerade deswegen will ein Stück meines kranken Hirns bewahren, denn auch das gehört zu mir. Ebenso meine Zerrissenheit. Vielleicht wird sie immer wiederkehren. Ich bin ja nie ganz fertig. Genauso wenig, wie ein Text es jemals ist. Ich könnte noch stundenlang weiter schreiben, aber ein Brief ist da, um versendet zu werden.
Ich will weitermachen. Ich will weiter. Ich will! ICH!

Was ist mit dir?

Deine

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2 Gedanken zu „Ein offener Brief – Mieser Seelensalat

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